schloss braunsh 170Sie war die Lady Di ihrer Zeit: die bildschöne Königin Luise von Preußen (1776 bis 1810) , die ihre Jugend in Darmstadt und in Schloss Braunshardt verbrachte. Von der „Prinzessin Husch“, späteren Preußenkönigin und Mutter von Kaiser Wilhelm I., ging ein Zauber aus. Mit siebzehn heiratete Luise von Mecklenburg-Strelitz den späteren König Friedrich Wilhelm III. und bekam in 17 Ehejahren zehn Kinder. Als sie starb, war sie erst 34 Jahre alt.

Bei einer Kostümführung im entzückenden kleinen 1763 erbauten Rokoko-Schloss Braunshardt, das heute der Stadt Weiterstadt gehört, konnten sich die Aka-Mitglieder in ihre Zeit hineinversetzen. Mit munteren, hessisch vorgetragenen Dialogen informierten Mitglieder des Fördervereins Schloss Braunshardt e. V. über das Leben der Prinzessin. In einem prächtigen Kleid tanzte die Darstellerin der Luise zur Freude der Gäste mit ihrem Hofmarschall Menuett und Walzer.

schloss braunsh 300Bei Kaffee und Kuchen erzählten die Fördervereinsmitglieder, dass mit den eingeworbenen und durch die Kostümführungen eingenommenen Geldern verschiedene Restaurierungsarbeiten und Kopien der Supraporten (Gemälden von Johann Conrad Seekatz über den Türen, eigens für dieses Schloss geschaffen) finanziert werden konnten.

Die spätere Königin und ihre zwei Schwestern lebten nach dem Tod ihrer Mutter bei ihrer Darmstädter Großmutter „Prinzessin Schorsch“, einer klugen, resoluten Dame, die sehr daran interessiert war, die Mädchen in beste Kreise zu verheiraten. Damit Luise am Kaiserball in Frankfurt teilnehmen konnte, wurde ihr 1792 aus Vorhängen ein Kleid genäht. Ein Jahr später heiratete sie ihren Tanzpartner Friedrich Wilhelm.

In ihrer Zeit gab es an Königshöfen Bräuche, die heute unvorstellbar wären. So wurden den Ehemännern die Tagebücher ihrer Liebsten übergeben, damit sie deren Tugendhaftigkeit überprüfen konnten. In der Hochzeitnacht schrieb ein – männlicher – Protokollant hinter einem Paravent auf, was sich im Ehebett ereignete.

Patricia Gropp, Ansprechpartnerin für Theater und Musik bei der Akademie 55plus, organisiert diese Kostümführung immer wieder gern für die Aka-Mitglieder. Die Wartelisten sind lang. Es hat sich herumgesprochen, dass es schon etwas Besonderes ist, das kleine Gebäudejuwel nicht museal verstaubt, sondern festlich lebendig bei Kaffee, Kuchen und Wein zu erleben. Fast war es so, als hätte Königin Luise jeden Teilnehmer und jede Teilnehmerin persönlich zur Audienz gebeten. Zum Schluss ließ Patricia Gropp „Jungfer Husch“ persönlich zu Wort kommen. Sie las Passagen aus Luises Briefen aus deren Darmstädter Zeit vor, die vor jugendlicher Unbekümmertheit und der schwärmerischen Liebe für ihren späteren Ehemann nur so sprühen.

Text und Fotos: Petra Neumann-Prystaj / 11.03.2025

 

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