adeleDie Akademie 55plus trauert um Dr. Adele Daily. Sie starb am 11. September in Darmstadt
Kennengelernt haben wir uns vor 20 Jahren, im Februar 2006 auf jener legendären Veranstaltung, als ich zum ersten Mal über meine Erlebnisse bei der „University of the Third Age“ in Cambridge sprach. Ein Artikel im Darmstädter Echo hatte berichtet und etwa 50 Interessierte waren in die Mornewegschule gekommen. Auch Adele stellte sich vor.

Sie sei Zahnärztin und lebe teilweise in New York. Walter Schwebel, der leider im letzten Jahr verstorben ist, unterstützte mich bei der Veranstaltung. Seine Reaktion auf Adeles Vorstellung: „Prima, den Bohrer können Sie zu Hause lassen, aber Ihre Sprachkenntnisse können wir gut gebrauchen.“ Und schon war sie gebongt.

Es ging alles rasend schnell in dieser Gründungseuphorie. Ein Jahr später hatte Adele zusammen mit ihrer Kollegin Eleanor Radsack den Austausch mit unserer englischen Partnergruppe in Chesterfield organisiert – ein Austausch, der 2007 begann und der bis heute besteht. Ihr Herzensprojekt aber waren, na klar, Reisen, in denen sich ordentlich bewegt wurde, wobei sie auf ihre eigenen körperlichen Befindlichkeiten wenig Rücksicht nahm. Die geplante   Fahrradtour absolvierte sie mit gebrochenem Arm – als Tandempartnerin eines netten Aka-Mitglieds. In London saß ihre Gruppe fest: Der isländische Vulkanausbruch hatte jäh den gesamten Flugverkehr gestoppt. Sie machte das Beste draus: Ihre Gruppe wurde kurzerhand bei Tochter Nora, die zu diesem Zeitpunkt in der britischen Metropole arbeitete, einquartiert und bekam ein kostenloses Zusatzprogramm: London zu Fuß, Tempo: verschärft.

In späteren Jahren erweiterte sie die touristischen Highlights um Prag, Paris und New York und verschaffte ihren Besuchergruppen ganz eigene Erlebnisse, abseits vom Touristenrummel.

Fremde Städte und Landschaften rund um den Globus kennenzulernen, das war ihr Lebensinhalt nach der Berufsphase. Bereist hat sie alle Kontinente. Am meisten beeindruckt hat sie die Antarktis, von dieser Tour sandte sie täglich die aufregendsten Bilder an die Daheimgebliebenen.

Aber auch hier vor Ort war sie aktiv, denn außer der Aka hatte sie ein weiteres Betätigungsfeld entdeckt, und zwar in ihrer amerikanischen Heimat. Dort hatten sich die „New York Greeters“ gegründet, eine Organisation, die Besuchern kostenlos die aufregendsten Plätze der Stadt nahebringt. Genau ihr Ding! Und so führte sie nicht nur deutsche Besucher durch die Stadt, die niemals schläft, sondern nahm sich fest vor, dieses tolle Modell auch in Darmstadt zu etablieren. Was schließlich gelang und eine Bereicherung für die Stadt am Woog ist, die sich mit der Touristik nicht immer ganz leichttut.

Last but not least: Sie war auch eine wirkliche Freundin, nicht nur für mich und viele andere in der Aka, sondern auch für viele Menschen in Not. Sie engagierte sich für Geflüchtete, die hier studieren wollten und konnte vor allem durch ihre profunden Kenntnisse in Kunst und Geschichte helfen. Kein Wunder, denn in ihrem Erstberuf war sie Innenarchitektin gewesen.

Und außerdem: Sie war eine tolle Köchin und Bäckerin. Meine fünf Enkelkinder sind sich einig, dass es keinen besseren Kirschkuchen EVER gab. Danke für alles Adele, wir vermissen dich sehr.

Heidrun Bleeck - 26.09.2026

 

 

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