Bronzegiganten, Riesenwelle und eine kuriose Stahlsäule

FFM Gruppe 170Fast fünf Meter ragt er in den Frankfurter Himmel: David mit der Steinschleuder, triumphierend auf dem zerfetzten Kopf des Goliath thronend. Genau vor diesem wuchtigen Bronzemonster von Richard Heß aus dem Jahr 1983, das vor dem Kaufhof an der Hauptwache steht, startete die Kunst-Tour, die Helmut Linke für die Aka-Mitglieder ausgetüftelt hatte. Da er kurzfristig erkrankt war, sprang dankenswerterweise Hans-Dieter Möser ein und führte, unterstützt von Frankfurt-Kenner Klaus-Peter Reis, die Aka-Gruppe aus Darmstadt souverän durch eine überraschend kunstreiche Innenstadt.

Selbst eingefleischte Frankfurt-Kenner konnten beim zweistündigen Spaziergang noch etwas Neues dazulernen. Vor der Börse wartete allerdings (Welt-)Bekanntes auf sie: Bulle und Bär, die ewigen Rivalen des Parketts – Reinhard Achlauers Bronze-Ikonen aus dem Jahr 1985, Symbol für Optimismus und Pessimismus, für Boom und Krise. Was dagegen kaum jemand auf dem Schirm hatte, das waren die imposanten Fassadenfiguren von 1843 am Eingang zur Neuen Börse, die die Erdteile und den Landhandel verkörpern – sie befinden sich direkt vor der Nase und werden doch von den Meisten übersehen.

FFM Liegende 250Frauenfiguren prägten den Rundgang wie ein roter Faden. Den Auftakt machte die Große Liegende (Willi Schmidt, 1982) aus Naxos-Marmor in der Freßgasse – schneeweiße weibliche Üppigkeit inmitten des Gastro-Treibens. Später ging's zur elegant posierenden Liegenden aus grauem Muschelkalk von Rudolf Kipp (1937) in der Taunusanlage, und gleich nebenan schwebten drei Grazien über dem Marshall-Brunnen: Aglaia, Hegemone und Euphrosine. Leider noch im Trockenstadium, denn Frankfurts Brunnen plätschern erst ab April.

FFm Fassaden 250Hinter der Alten Oper öffnet sich der Blick auf die „Frankfurter Welle" – ein beeindruckendes Gebäudeensemble mit vielen Büros und einigen Geschäften, das seit 2016 mit einem künstlichen Wasserlauf und einer geschwungenen Aluminium-Welle aus drei hohen Bögen für Aufsehen sorgt.

Den Titel „kuriosestes Kunstwerk des Tages" sicherte sich eindeutig der Frankfurter Schaft von Cyprien Gaillard (2021), direkt gegenüber der Deutschen Bank. Von außen: eine hohle Stahlsäule, die entfernt an ein Edel-Pissoir erinnert. Von innen: rosa Onyx-Wände, die den Besucher einzuhüllen scheinen und ihm einen kreisrunden Himmelsausschnitt bieten – mit einem Zipfelchen des Bankgebäudes. Konzeptkunst, die überrascht.

Abgerundet wurde der Ausflug bei Kaffee und hochgelobtem Kuchen im Café ConditCouture am Römerberg – in einem Haus mit Geschichte: Das Haus Wertheim ist das älteste original erhaltene Fachwerkhaus Frankfurts (Baujahr 1600) und überstand die verheerenden Luftangriffe des Zweiten Weltkriegs nahezu unversehrt. Ein würdiger Abschluss für einen Spaziergang voller Entdeckungen. Frankfurt – einmal ganz anders.

Text und Fotos: Petra Neumann-Prystaj / 10.03.2026

 

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