Aufgrund der hohen Nachfrage organisierte Helmut Linke für Mitglieder der Aka noch einmal einen Besuch im neuen Museum Reinhard Ernst (mre) in Wiesbaden.
Es ist ein ganz besonderes Museum. Der Unternehmer Reinhard Ernst wünschte sich nach dem Verkauf seiner Unternehmen für seine große Sammlung moderner Kunst ein eigenes Museum, finanziert und betrieben durch die Reinhard und Sonja Ernst-Stiftung. Die Stadt Wiesbaden stellte dafür ein passendes Grundstück an renommierter Stelle, Wilhelmstraße 1, zur Verfügung und der international bekannte japanische Architekt und Freund des Stifters, Fumihiko Maki, plante den Bau.
Der kompakte Bau mit einer Fassade aus weißem Granit passt sich sehr gut an die Umgebung der Jugendstilvillen an und stellt selbst ein Kunstwerk dar. Die Wiesbadener nennen ihn liebevoll „Zuckerwürfel“. Alle Ausstellungsräume gruppieren sich um einen verglasten Innenhof, welcher als japanischer Garten mit Laubbaum und Stahlskulpturen von Eduardo Chillida gestaltet ist. Die Innenräume des Museums sind auf die vielen sehr großen Bilder zugeschnitten, hohe Glasfenster und eine Kuppel gewährleisten eine optimale Beleuchtung.
Die Sammlung Ernst konzentriert sich auf abstrakte Kunstwerke aus der von Zeit 1945 bis heute, der Schwerpunkt liegt auf Künstlern aus Europa, den USA und Japan, den Ländern, die Ernst beruflich häufig besuchte. Die Sammlung umfasst ca.1000 Kunstwerke, welche abwechselnd im Museum gezeigt werden.
Eine sehr kompetente Führerin führte uns durch das Museum. Das Motto der Eröffnungsausstellung lautet: „Farbe ist alles“. Das verdeutlichen schon die bunte Glaskunst-Wand von Katharina Grosse sowie die rot lackierte Installation aus vertikalen Leitplanken von Bettina Pousttchi im frei zugänglichen Foyer. In den beiden oberen Geschossen befinden sich zwei über 6 m hohe Skulpturen aus Bronze von Tony Cragg und in den hohen, ineinander übergehenden Ausstellungsräumen viele überwiegend großflächige Bilder. Ein Beispiel ist das 18-teilige Werk von Tashimitsu Imai, welches ursprünglich ein Restaurant in Japan schmückte und sich im Museum über gleich drei Wände erstreckt.
Unsere Führerin vermittelte uns zahlreiche zusätzliche Informationen. So erzählte sie, dass die Künstler sehr große Leinwände auf dem Fußboden ausbreiten, um sie zu bearbeiten, wobei sie die Farbe großzügig, z.B. mit Eimern auftragen und mit Besen oder riesigen Pinseln verteilen. Die Künstlerin Helen Frankenthaler verzichtet dabei auf eine Grundierung der Leinwand, so dass die Farbe den Stoff durchtränkt. Ab Mitte März ist ihr eine Sonderausstellung im mre gewidmet.
Dem Stifter ist es sehr wichtig, seine Kunstwerke mit anderen zu teilen. Insbesondere Kindern und Jugendlichen möchte er einen Zugang zur Kunst anbieten, um damit ihre Kreativität zu fördern. Aus diesem Grund ist das Museum vormittags nur für Schulklassen geöffnet, der Eintritt für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre ist kostenlos.
Es war ein sehr interessanter und gelungener Tag in Wiesbaden, der uns allen sehr gefiel.
Text und Fotos: Christiane Schuchard-Ficher / 12.02.2025