Akademie 55plus Darmstadt - Berichte 2019

Ein Grillfest als Belohnung

Geflüchtete an der TU und ihre Lernhelfer feiern

grillfest1Vor drei Jahren hatte Heidrun Bleeck die Idee, dass Mitglieder der Aka bei der Eingliederung der Flüchtlinge eine aktive Rolle spielen könnten. Nachdem sie in Dr. Chris Merkelbach, Leiter des Sprachenzentrums der TU Darmstadt, einen engagierten  Partner gefunden hatte, gelang es ihr, fast zwei Dutzend AKA-Mitglieder  als Sprachlernhelfer zu gewinnen.. Seit 2017  laufen mehrere Gruppen, die sehr gezielt (und auch erfolgreich) auf die jeweiligen Sprachprüfungen der TU zuarbeiten.

Es handelt sich schwerpunktmäßig um Geflüchtete aus den Ländern Syrien, Iran und Afghanistan, die für ein Studium qualifiziert sind und die im Raum Darmstadt eine Wohnmöglichkeit gefunden haben. Diese Maßnahme, sie heißt „Lernhelfer für geflüchtete Studienbewerber“ wird von der Darmstädter Bürgerstiftung unterstützt, so dass in jedem Sommer die Lernarbeit mit einem geselligen Grillfest aufgelockert werden kann.

grillfest2So wurde jetzt, nachdem für  einige Sprachkurse  die Sommerferien beginnen, ein gut besuchtes Grillfest für die „Quasi-Lehrer und Schüler“ veranstaltet. Ob sie ein oder zwei Jahre in Deutschland leben, die jungen Frauen und Männer zeigen einen enormen Lerneifer, der erkennen lässt, dass sie begriffen haben, dass in erster Linie das Handhaben der deutschen Sprache als Brücke für ihren Weg in die deutsche Gesellschaft dient. Einige dieser Leben sehen beispielsweise so aus, dass sie außer dem Sprachkurs am Sprachenzentrum  der Darmstädter Universität noch einen weiteren Kurs an der Volkshochschule oder beim Studienkolleg besuchen, Kinderbücher lesen und die  freien Stunden bewusst mit Deutschen verbringen. Sportvereine sind seltener, aber Fitness-Studios, eine Ausbildung im Sanitätswesen oder neue Bekanntschaften mit älteren Menschen, bei denen sie  kleine Hilfsarbeiten übernehmen oder mit ihnen Kontakte pflegen, sind attraktive Formen der Freizeitgestaltung.

grillfest3Einige „Schnappschüsse“ aus Flüchtlings-Biografien:
Die Iranerin Afsaneh hat schon erwachsene Kinder und  hatte in ihrer Heimat  einen juristischen Beruf. Da hier ihre Tochter eine Ausbildung zur Apothekerin macht, sieht sie die Chance dort eine Helferstelle zu bekommen und lernt täglich mit der Tochter. Annenah hat sehr gute Erfahrungen in der vhs Frankfurt gemacht und dort gleichzeitig zwei Kurse besucht. Deutsche Bekannte stellen ihr jetzt eine Beschäftigung in einer internationalen Firma in Aussicht, was sie stark motiviert, schnell deutsch zu lernen. Der gelernte Bauingenieur  Ali aus Homs ist seit Oktober 2015 in Deutschland. Er besucht seit 3 ½ Jahrengrillfest5 Deutschkurse und tut sich schwer mit den hiesigen  Lernsystemen. Zusammen mit seinem Bruder will er zurück nach Syrien, wenn der Krieg vorbei ist. Niloofar hatte im Iran einen Beruf in der Wirtschaft und sucht jetzt ihren Arbeitswunsch in der Zahnmedizin zu verwirklichen.

Am Rande des Grillplatzes an der Kastanienallee im Bürgerpark beginnen die Studenten Volleyball zu spielen, und die Sprachlernhelfer unterhalten sich über die bereichernden Erfahrungen, die sie bei der Zusammenarbeit germacht haben.

Walter Schwebel  / Fotos: Adele Daily