Akademie 55plus Darmstadt - Berichte 2023

Geschlechtsspezifische Unterschiede bei Corona-Infektionen

dr hidasBiologische aber auch psychosoziale Unterschiede zwischen Männern und Frauen wirken sich auf die Entstehung und den Verlauf von Krankheiten aus. Dennoch werden sie in Deutschland in der Medizin oft nicht beachtet.

Thema des Vortrags von Frau Dr. Hidas, Leitende Oberärztin der Zentralen Notaufnahme am Klinikum Darmstadt, war der geschlechtsspezifische Verlauf der Covid 19 Erkrankung.
Während sich z.B. Frauen häufiger an Covid 19 anstecken als Männer, trifft letztere die Krankheit oft härter. Sie mussten häufiger intensivmedizinisch behandelt und an Beatmungsmaschinen angeschlossen werden und sterben häufiger.

Frauen sind einem größeren Ansteckungsrisiko ausgesetzt, weil sie zahlreich in Bereichen wie Gesundheit und Dienstleistung vertreten sind – Bereiche, in denen Homeoffice keine Option ist. Auch sind sie häufiger als Männer für die Versorgung der Kinder zuständig, die in ihrem Umfeld in Schule, Kita etc. Ansteckungsrisiken ausgesetzt sind.

Auf der anderen Seite sind sie offensichtlich durch Östrogen vor extremen immunologischen Reaktionen geschützt.

Allerdings spielt bei der schwereren Erkrankung der Männer auch der Lebensstil eine Rolle. Übergewicht und langjähriges Rauchen sind, neben Vorerkrankungen wie Diabetes, Hauptrisikofaktoren. Diese sind derzeit bei Männer häufiger anzutreffen als bei Frauen.

Auch bei der Behandlung mit Medikamenten spielen die geschlechtsspezifischen Unterschiede eine Rolle. Testpersonen für die Wirkungen und Nebenwirkungen von Medikamenten sind bisher vorwiegend Männer. Bei den Versuchen mit HIV- und Malaria- Medikamenten gegen Covid 19 hat sich herausgestellt, dass diese bei Männern und Frauen ganz unterschiedlich wirken.

Erschöpfung, Atembeschwerden und Konzentrationsstörungen sind Symptome, die bei Long Covid auftreten. Bei 6,2% der Erkrankten sind diese Beschwerden nach mehr als drei Monaten nach der Erkrankung noch vorhanden. Zwei Drittel davon sind Frauen. Hier spielt auch wieder die psychosoziale Situation von Frauen während der Pandemie eine Rolle. Frauen leben häufiger in prekären Situationen als Geringverdiener und Alleinerziehende. Zudem hat häusliche Gewalt gegen Frauen in der Pandemie zugenommen.

Bis zum Verschwinden der Symptome von Long Covid kann es lange dauern, da es sich um eine Entzündung kleinster (Blut-)Gefäße handelt. Geduld im Umgang mit darunter leidenden Personen ist wichtig, betonte Frau Dr.Hidas.

Der beste Schutz vor schwerwiegenden Verläufen von Covid 19 ist die Impfung. 4420 Studien zu Wirkung und Nebenwirkung von Impfungen gibt es bisher; 21% der TN waren weiblich – allerdings wurde bei diesen bisher nur die Auswirkungen auf Schwangerschaften untersucht.

Am 31. Januar 2022 ist eine Verordnung der EU in Kraft getreten, die eine repräsentative Geschlechterverteilung in klinischen Studien zur Pflicht macht.

Davon sind wir in der Realität noch weit entfernt.

Margret Wendling