Akademie 55plus Darmstadt - Berichte 2021

Kulinarische Reise durch das Herz Darmstadts

so der Titel des Kursangebots.

An einem nebligen, kalten November Nachmittag, bei ca. 3 Grad Celsius, trafen wir unsere junge Führerin Angelika von „Eat the World“ an der Ludwigskirche. Die kommerzielle Kette bietet private Stadtführungen in vielen Orten Deutschlands an, die alle eine dem Ort entsprechende Kombination aus Stadtgeschichte und lokalen kulinarischen Kostproben beinhalten. Wir - 11 Teilnehmer*innen der Aka - waren alle sehr gespannt und neugierig. Angelika, in Darmstadt aufgewachsen, versprach uns vorrangig eher unbekanntere Fakten und Anekdoten der Stadtgeschichte zu vermitteln, da alle Teilnehmer in der Stadt oder näheren Umgebung leben.

Zunächst besichtigten wir die Ludwigskirche, eher bekannt als Kuppelkirche oder „Käseglocke“. Großherzog Ludwig I. beauftragte zu Beginn des 19. Jahrhunderts seinen Hofarchitekten Georg Moller, diese ungewöhnliche Kirche für die katholische Minderheit der Stadt zu bauen. In der Architektur war sie dem Pantheon in Rom nachempfunden und sollte dem Geist der Aufklärung entsprechen. Sie wurde im September 1944 zerstört und nach dem Krieg wiederaufgebaut.

Wie liefen dann in die Grafenstraße, die einige gastronomische Angebote aufweist, und bekamen bei der kleinen familiengeführten „Tajine Marrakech“ eine leckere marokkanische Suppe zur Aufwärmung. Diese nahmen wir im Außenbereich ein.
Weiter ging‘s zur Wilhelminenstraße, zum traditionellen Geschäft der Firma Heitman, welche edle Süßwaren und Pralinen anbietet. Wir erhielten eine kleine rosafarbene Praline, genannt „Darmstädter Küsschen“. Im Hof des nahen gemütlichen „Café Fräulein Mondschein“ konnten wir dann eine Gebäckkugel am Stiel kosten.

Nächste Station war die Centralstation. Dort befand sich seit 1888 das Kraftwerk, welches für die Stromversorgung der Gebäude des herzoglichen Hofes sowie auch für die Beleuchtung der Straßen und später den Betrieb die Straßenbahnen der Stadt sorgte. Über eine vergleichbar fortschrittliche Technik verfügten damals nur die Städte Berlin und New York. Aufgrund der aus Sicherheitsgründen sehr massiven Mauern überstanden Teile der Gebäude die mehrfachen Bombardierungen der Stadt. Sie wurden erst spät wieder für ihre heutige Nutzung im Kulturbetrieb der Stadt saniert.
Gegenüber liegt das Geschäft „Trüffel Freunde“, wo es zahlreiche Produkte rund um den Trüffel zu kaufen gibt. Wir probierten eine kleine Portion Trüffel Chips.

Ziemlich durchgefroren passierten wir das Schloss und kamen wir zum Landesmuseum, wo wir nach Besichtigung des kleinen Rodensteiner Hofes im Museumscafé „Herzblut und Zinke“ eine etwas längere Rast machten. Abends hat das Café jetzt auch als Weinstube geöffnet und bietet Hessische Tapas an, wir probierten eine kleine Portion Kochkäse.

Letzte Station war die „ZOObar“ an der Stadtkirche. Die frühere Tierhandlung wurde von einem italienischen Architekten zum Restaurant umgebaut und bietet mittags schnelle Gerichte an, z. B. Pasta aus Anatolien, wovon wir eine kleine, sehr schmackhafte Kostprobe erhielten.

Die Tour dauerte insgesamt drei Stunden, unsere Führerin war kompetent und bot einige für uns neue Aspekte zur Stadtgeschichte, wir probierten (sehr) kleine Leckereien, allerdings zum Preis von fast 50 Euro pro Person. Es war abwechslungsreich und informativ, aber der kalte Novembertag trübte die Freude.

Text und Fotos: Christiane Schuchard-Ficher