Akademie 55plus Darmstadt - Berichte 2020

Jüdische Spuren in Darmstadt…

erkundeten wir mit Friedel Lausberg an einem sonnigen Tag. Ihre fachkundige Führung war besonders hilfreich, denn diese Spuren sind heute nur schwer aufzuspüren.

Frau Lausberg informierte uns ausführlich über die Geschichte der Juden in Darmstadt.

Mit zunehmend rechtlicher Gleichstellung siedelten sich zahlreiche jüdische Familien in der Stadt an. Bekannte Namen sind Blumenthal, Trier, Messel und Wolfskehl. Oft gehen die erst spät angenommenen Familiennamen auf die Herkunftsorte der Familien zurück. Viele Familien waren im Handel tätig und gründeten z. B. Geschäfte für Möbel- und Eisenwaren. Zu Beginn des letzten Jahrhunderts befanden sich am Marktplatz jüdische Kaufhäuser, so das heutige Kaufhaus Henschel und der Kaufhof (früher Kaufhaus Tietz).

Der alte Stadtkern Darmstadts östlich des Schlosses wurde im 2. Weltkrieg völlig zerstört, so dass es bis auf das Gasthaus Krone und Teile der Stadtmauer keine erhaltenen Gebäude gibt. In der Kleinen Ochsengasse stand die alte Synagoge der jüdischen Gemeinde. Mit wachsender Mitgliederzahl kam es zur Spaltung der Gemeinde in eine orthodoxe sowie eine liberale Gruppe. Sie bauten zwei neue Synagogen in der Bleichstraße und der Friedrichstraße. Beide Gebäude wurden von den Nationalsozialisten am 9. November 1938 zerstört.

Wir liefen weiter zum Jugendstilbad. Vor dem Eingang erinnert eine interessant gestaltete Bodenplatte an die Bücherverbrennung zu Beginn der NS Zeit.

Weitere Stationen:
In der Rundeturmstraße weist ein Mauerrest mit Gedenkplatte auf das alte Gefängnis hin, in welchem viele Juden inhaftiert und von dort in ein KZ abgeschoben wurden.
Vor dem Darmstadtium findet man einige der in der Stadt verlegten Stolpersteine, die an die früheren jüdischen Bewohner erinnern.
Im alten Gebäude der Hochschule studierte Chaim Weizmann, der erste Präsident des Staates Israel.
Das Johannesviertel trug früher den Namen seines Gründers Heinrich Blumenthal, der als Fabrikant dort Häuser für seine Arbeiter bauen ließ.

Nach Durchqueren des Herrngartens fanden wir im Klinikum die Reste des Fundaments der liberalen Synagoge, die bei Bauarbeiten freigelegt und in einem geschützten Raum erhalten wurden. Man kann sie aber nur bei speziellen Führungen von Nahem betrachten.

Nach dem Krieg entwickelte sich sehr langsam wieder eine jüdische Gemeinde in Darmstadt. Sie zählt heute über 700 Mitglieder. Ihr Zentrum ist die schöne neu erbaute Synagoge in der Wilhelm-Glässing-Straße. In Bessungen gibt es noch den alten jüdischen Friedhof.

Text und Fotos: Christiane Schuchard-Ficher