Akademie 55plus Darmstadt - Berichte 2020

Osteoporose und Knochenbruch

Osteoporose, im Volksmund auch Knochenschwund genannt, ist eine weitverbreitete Krankheit. Wenn die Knochendichte einen bestimmten Wert unterschreitet, spricht man von Osteoporose. Insbesondere ältere Menschen und hier vornehmlich die Frauen sind von Osteoporose betroffen. Jede vierte Frau über 50 erkrankt an Osteoporose, so der Referent Dr. Thomas Schreyer, Chefarzt der Unfallchirurgie und Alterstraumatologie am Agaplesion Elisabethenstift in Darmstadt.

Eine geringere Knochendichte erhöht das Risiko für Knochenbrüche. Die Ursachen für diese Systemerkrankung sind vielfältig. Neben Alter und Geschlecht spielen Hormone, Ernährung, Stoffwechsel eine wichtige Rolle. Mangel an Calcium und Vitamin D sowie Bewegungsmangel führen zu übermäßigen Verlust der Knochenmasse. Im gesunden Knochen besteht ein ständiger Umbau des Knochengewebes. Aufbauende Osteoblasten und abbauende Osteoklasten befinden sich im steten Gleichgewicht. Arbeiten die Osteoklasten schneller, schreitet der Abbau schneller voran als der Aufbau, wird der Knochen brüchig und weniger stabil. Da sich Osteoporose langsam entwickelt, verläuft die Krankheit im Anfang häufig beschwerdefrei.

Aber Stürze und Verletzungen, die ein gesunder Knochen problemlos verkraftet, können zu Knochenbrüchen führen. Am häufigsten betroffen sind Wirbelgelenke, Handgelenk, Oberarmkopf und der Oberschenkelhals. Ein Sturz kann Auslöser sein, gerade Wirbeleinbrüche können auch ohne konkreten Anlass erfolgen. Risikofaktoren, die Osteoporose und Frakturen zur Folge haben können, sind bestimmte Erkrankungen (z.B. Rheuma), Medikamente (z.B. Cortison), BMI unter 20, Rauchen, Alkohol. Eine Knochendichtemessung gibt Aufschluss über den Zustand der Knochen, ist aber nach Dr. Schreyer allein nicht ausreichend für eine Diagnose. Osteoporose muss als Systemerkrankung behandelt werden.

Die Behandlung osteoporosebedingter Brüche ist teilweise schwierig und unterscheidet sich oft von der Behandlung von Knochenbrüchen ohne Osteoporose.

In den vergangenen Jahren wurden spezielle Operationsverfahren für diese Art von Brüchen entwickelt. Entscheidend ist eine stabile Versorgung des Bruchs, sodass eine Bewegung oder Belastung unmittelbar nach der Operation möglich ist. Verständlich für die interessierten Zuhörer/-innen zeigt Dr. Schreyer die verschiedenen Stabilisierungsmöglichkeiten auf. Aufnahmen veranschaulichen die Verfahren mit Platten, Nägeln oder Schrauben. Bei Brüchen des Oberschenkelhalses oder des Oberarmkopfes kann die Implantation eines künstlichen Gelenkes notwendig sein. Die Therapiemöglichkeiten sind vielfältig und werden individuell auf den Patienten abgestimmt. Oberstes Ziel ist es immer, baldmöglichst Mobilität und Belastbarkeit wiederherzustellen.

Der Referent betont, dass erfreulicherweise die Heilungsdauer des Knochens bei der Osteoporose nicht länger ist als sonst beim Knochen. Allerdings kommt es eher erneut zu Frakturen. Vorbeugung ist auch hier die beste Behandlung. Diese betrifft Ernährung, Bewegung und Sturzprophylaxe durch Schulung der Koordinationsfähigkeit. Der Referent ging auch auf die Problematik häufiger Nebenerkrankungen ein. So ist die Behandlung der Osteoporose eine Herausforderung für viele verschiedene medizinische Fachgruppen, die eng zusammenarbeiten müssen.

Die Zunahme der Knochenbrüche und die besonderen Anforderungen bei den meist älteren Patienten hat in den vergangenen Jahren zu neuen Entwicklungen in der Knochenbruchversorgung geführt. Spezielle Zentren, sogenannte Alterstraumatologie-Zentren, haben sich in den vergangenen Jahren etabliert. So auch im Agaplesion Elisabethenstift in Darmstadt. Hier findet eine moderne Behandlung der osteoporotischen Frakturen statt. Es besteht eine enge Zusammenarbeit der Unfallchirurgie und Geriatrie. Dadurch kann der Therapieplan individuell abgestimmt werden, können gezielt die speziellen Probleme der älteren Patienten, insbesondere wichtige Begleiterkrankungen, berücksichtigt werden. Ziel ist die Verbesserung der Lebensqualität für den Patienten. Oft herrscht aber noch Spezialistentum vor, wo Generalisten gefragt sind, so der Referent.

Sigrid Geisen