Akademie 55plus Darmstadt - Berichte 2020

Lieblingsrolle: Der Fuchs im Hackebackewald

Schauspieler Aart Veder bei „Aka im Gespräch“

Veder pnpIm Vorteil waren geborene Heiner an diesem Abend allemal,denn bei jedem Darmstädter Schauspielernamen der letzten 40 Jahre erhob sich ein beifälliges Gemurmel. Mit der Einladung von Aart Veder hatte Aka-Moderatorin Petra Neumann-Prystaj einen Volltreffer gelandet.Und als Aart Veder auch noch zur Gitarre griff und ein Bänkellied sang, gab es riesigen Applaus im proppenvollen Literaturhaus – immer wieder.

Hinzu kam, dass der Gast zahlreiche Fotos aus seinem bewegten Theaterleben mitgebracht hatte, die das Publikum begeisterten.

Es gibt kaum eine große Inszenierung, in der er nicht mitgespielt hat. So trat er nicht nur in den Klassikern – Faust, King Lear, Don Carlos, Kabale und Liebe, Drei Schwestern, Die Wildente und vielen anderen auf, sondern auch im leichteren Genre, das mit Titeln wie Arsen und Spitzenhäubchen, Tanz auf dem Vulkan oder Frankenstein Publikumsrenner produzierte. Seine Lieblingsrolle, sagt er, sei der Fuchs im Hackebackewald gewesen.

Apropos Fuchs: Dieses Tier hatte auch auf einer anderen Ebene einen großen Einfluss. Dazu später mehr.

Geboren wurde Veder in Berlin als Sohn einer deutschen Mutter und eines niederländischen Vaters. Von letzterem hat er den ungewöhnlichen Vornamen und die holländische Staatsbürgerschaft. Seine Eltern waren übrigens promovierte Zahnärzte und strebten für den Sohn eine akademische Karriere an. Dieser ging in Berlin auf ein französisches Gymnasium und hatte zwei Mitschüler, die es später ebenfalls zu einigem Ruhm bringen sollten: Die Liedermacher Ulrich Roski und Reinhard Mey.

Während seiner Schulzeit zeichnete es sich schon ab, dass sich seine Karriere in Richtung Kunst bewegen würde, denn er spielte mit großer Begeisterung im Schultheater die verschiedensten Rollen.

Zunächst jedoch beugte er sich nach dem Abitur dem Wunsch der Eltern und begann auf Wunsch seiner Eltern ein Jurastudium in Utrecht. Es kostete 400 Gulden im Monat, eigentlich ein Grund, ernsthaft zu lernen. Veder jedoch besuchte nach eigenen Angaben, höchstens eine Vorlesung pro Jahr – hatte er doch etwas viel Besseres entdeckt: Er war Mitglied einer Verbindung geworden, ein Corpsstudent, der den Status „Fuchs“ (!!) hatte und in dieser Zeit mit vielen schrägen Typen zusammenkam. Er landete, wie erwartet, beim Studententheater. Der Vater gab nach und bald erhielt er eine solide Schauspielausbildung in Bochum. Von 1969 bis 1972 erlernte er das Handwerk von der Pike auf – in einer Zeit (viele von uns erinnern sich) , in der es gesellschaftlich und politisch hoch her ging. Die 68er-Bewegung hatte auch die meisten Theater erreicht. Es kamen Regisseure, die nicht unterhalten, sondern politisch agieren wollten. Handkes Publikumsbeschimpfung wurde zum Renner landein, landaus, (Und was für ein Zufall: Am Tag der Aka-Veranstaltung hatte der österreichische Autor gerade den Nobelpreis für Literatur erhalten!)

In Darmstadt wurde es dann ruhiger. Besonders gern erinnert sich Veder an die Zeit mit dem Intendanten Gustav Rudolf Sellner. Bei ihm, berichtet er, habe es eine intensive Beschäftigung mit dem Stück und der Rolle gegeben . Mit Begeisterung erzählt er, wie man 14 Tage lang zusammengesessen und über alles diskutiert, sich in den Stoff und die Quellen vertieft habe.

Neben dem Theater gab es auch immer wieder Angebote , in Filmen, Fernsehserien (Drombuschs) und Rundfunksendungen mitzuwirken, Das waren erfreuliche Nebeneinkünfte, denn, sagt Veder: „Als Schauspieler arbeite man im Niedriglohnsektor“. Zumindest am Theater, das aber trotzdem seine ganz große Liebe war und ist.

Der Übergang in den Ruhestand wurde ihm erleichtert, denn Iris Stromberger hatte ihn als Loriot engagiert und so konnte er sich gleitend auf das Rentnerdasein vorbereiten. Allzu schlimm scheint ihn jenes nicht getroffen zu haben, denn nach wie vor ist er für seine Zuhörer ein gern gesehener Gast auf diversen Veranstaltungen, wo er mit mächtiger Stimme, viel Gefühl und großem Humor ins Reich der Muse Thalia entführt.

Text und Foto: Heidrun Bleeck