Akademie 55plus Darmstadt - Berichte 2019

Von Warschau nach Starachowice

2019 polen warschau 170Mitte des 16. Jahrhunderts hatte der polnische König aus dem Hause der Wasa die Hauptstadt Polens von Krakau nach Warschau verlegt, worüber die Krakauer bis heute nicht hinweggekommen sind. Die Stadtführerin Ivona  Jaworska führte uns zuerst durch ein Viertel mit Plattenbauten, Hochhäusern und Versicherungen. Namhafte Architekten wie Daniel Liebeskind und Sir Henry Foster haben hier ihre Spuren hinterlassen. 

 An das ehemalige Ghetto erinnern ein Mauerrest  und ein Gedenkzaun.  Beim Aufstand  1943 wurde die jüdische Bevölkerung vernichtet und das Viertel  völlig zerstört. Vor dem Krieg lebten in Warschau  über 130.000 Juden, bei einer Gesamtbevölkerung  von ca. 1,2 Millionen Menschen. Weithin sichtbar ist der Kulturpalast aus stalinistischer Zeit. Die Altstadt, die 1945 weitgehend zerstört wurde, ist im alten Stil wieder aufgebaut und wurde  ins UNESCO Weltkulturerbe aufgenommen. Endpunkt unserer Führung war der schön restaurierte Marktplatz. Ein Teil unsere Gruppe stärkte sich in einem typisch polnischen Restaurant. Andere  besichtigten  den Lazienskipark mit Schloss und Chopindenkmal.

2019 polen plock chor 200Bei strahlend blauem Himmel fuhren wir am nächsten Tag nach Plock, Schwesternstadt von Darmstadt. Elzbieta Chalenska , Vorsitzende der „Universität des 3. Lebensabschnitts“  begrüßte uns mit  großer Herzlichkeit. Die Seniorenakademie wird von der Stadt Plock finanziell unterstützt. Es gibt vielfältige Angebote, u. a. verschiedene Sprachkurse, einen Chor und Tanzgruppen. Diese hatten ein Programm für uns zusammengestellt, das alle begeisterte. Tomasz Malowaniec,  Vertreter der Stadt, zeigte uns Plock. Die Stadt, sehr schön auf einem Plateau oberhalb der Weichsel gelegen, wurde bereits im 10. Jahrhundert gegründet. 1237 bekam sie das Stadt- und Marktrecht.  Sie besitzt die älteste Schule Polens aus dem 12. Jahrhundert, heute ein Gymnasium. Die große Kathedrale wurde in den verschiedenen Jahrhunderten immer wieder umgebaut, so dass wir romanische, renaissance- und  neugotische Elemente entdecken konnten.  Schnell hieß es schon wieder Abschied nehmen; unser Bus brachte uns nach Torun (Thorn).

Die Stadt gehört zum UNESCO Weltkulturerbe. Sie wurde von Hermann von Salza, einem Hochmeister des Deutschen Ritterordens, gegründet. Der Ritterorden baute eine Burg, die die Stadt und das umliegende Land beherrschte. Gegen  die rigide Herrschaft der Ritter kam es zu einem Aufstand der Bevölkerung, dabei wurde die Burg zerstört.

2019 polen thorn 150Nadia Haiduczenia führte durch das mittelalterliche Torun, einst eine blühende Hansestadt. Da die Stadt im 2. Weltkrieg nicht zerstört wurde, zeugen heute noch viele Bürgerhäuser und  Kirchen im norddeutschen Backsteinstil  von dieser Zeit. In der Johanniskirche wurde Nikolaus Kopernikus getauft. Im offenen Turm der Kirche befindet sich die Glocke „Tuba Dei“, eine der größten und ältesten Glocken Polens. Das Geburtshaus von Nikolaus Kopernikus,  ein schönes Patrizierhaus, ist heute ein Museum. Das gotische Rathaus ist ein Symbol der einstigen Größe der Stadt. Auf dem Marktplatz wurde bis ins 19. Jahrhundert eine besondere Strafe für die kleinen Sünden der Bürger praktiziert. Sie wurden auf einen Holzesel  gebunden und mussten dort für bestimmte Zeit ausharren, je nach der Schwere des Vergehens. Eine Nachbildung dieses Esels aus Metall kann man heute noch bewundern.  Eine Besonderheit ist auch der „Schiefe Turm“.  Der Sage nach musste ihn ein Kreuzritter als Strafe für seine Sünden bauen.

2019 polen lodz 200Unter der Führung von Herrn Groetzinger erkundeten wir die Stadt Lodz, eine relativ junge Stadt, die erst im 19.Jh  durch die Textilwirtschaft reich wurde. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts kamen Tuch- und Leineweber aus Sachsen, Böhmen, Schlesien und Groß Polen nach Lodz und bauten die blühende Textilindustrie auf. Große Spinnereien und Webereien verkauften ihre Produkte in Polen und Russland. Die Stadt erwarb sich den Ruf als „polnisches Manchester“. Die riesigen Fabrikationsanlagen sind noch zu sehen. Wohnungen, Kirchen, Krankenhäuser und Schulen wurden gebaut. Bis  in die 90iger Jahre des 20. Jahrhunderts wurde hier produziert, durch den Zusammenbruch des Sozialismus zerfiel auch die Textilindustrie.  Bei einem Gang durch die Hauptstraße der Altstadt kann man noch die Paläste der Textilfabrikanten und Banker bewundern.  Wir besichtigten den prachtvollen Palast der Familie Poznanski, heute ein Museum. Im Untergeschoss zeigt eine interessante Ausstellung das Zusammenleben der christlichen und jüdischen Bevölkerung. In einer ehemaligen Manufaktur befinden sich heute viele Geschäfte, Lokale und ein Museum. Andere Manufakturen und  ehemalige Arbeiterhäuser wurden zu Wohnungen umgebaut. In Lodz  liegt der zweitgrößte jüdische Friedhof Europas. Roman Polanski, Daniel Liebeskind und Arthur Rubinstein sind berühmte Söhne der 2019 polen rubinstein 200Stadt.  Die Philharmonie wurde nach Arthur Rubinstein benannt.      

 Unser  nächstes Ziel war Zamosc. Hier trafen wir unsere Austausch-Partnerinnen aus Starachowice. 

Am 29.09. hieß es Abschied nehmen, Abschied von Starachowice.  Fünfzehn Personen begaben sich nach einem schönen Spaziergang durch das Freilichtmuseum von Radom über Warschau auf die Heimreise. Neun Personen fuhren mit dem Regionalzug nach Krakau. Der Hauptbahnhof in Krakau erinnerte eher an einen Flughafen als an einen Bahnhof.

In Krakau hatten wir mit der Stadtführerin "Sylwia" ein Glückslos gezogen. Sie zeigte uns alle Sehenswürdigkeiten im Zentrum von Krakau, wir gingen den Königsweg entlang, besuchten den Wawel und viele Kirchen. Ein Höhepunkt war der Hauptmarktplatz mit den Tuchhallen, dem Rathausturm und der Marienkirche. Der Abstecher  hatte sich gelohnt.

Text und Fotos: Ingrid Scheffler